Dieser Text wurde im Rahmen des Arbeitsintegrationsprogramms von Parterre Tangram von einer am Programm teilnehmenden Person recherchiert, verfasst und auf der Website publiziert.
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Heute zum Gründonnerstag möchten wir einen kleinen Blick auf die Osterfeiertage werfen, die gerade auch in den katholisch geprägten Ländern am Mittelmeer gross begangen werden. Die Osterfeiertage gelten generell in der christlichen Welt als die höchsten Feiertage im liturgischen Jahr. Doch was feiern wir an Ostern eigentlich? Seit der Zeit der frühen Kirche in den ersten Jahrhunderten n.Chr. werden an Ostern die Leiden, der Tod sowie die Auferstehung Jesu gefeiert. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, auch wenn die verschiedenen christlichen Kirchen die Liturgie dieser Feiertage jeweils etwas anders auslegen und feiern. Dabei gilt die Zeit vom Abend des Gründonnerstag bis und mit Ostersonntag als die heiligste Zeit in der Karwoche, respektive der «heiligen Woche», wie sie übersetzt in den lateinischsprachigen Ländern genannt wird. In der Liturgie der römisch-katholischen Kirche werden diese Tage auch Triduum Sacrum genannt, heilige Dreitagefeier. Diese Zeit beginnt mit der Feier des letzten Abendmahls an Gründonnerstag, während an Karfreitag der Kreuzigung und dem Sterben Jesu gedenkt wird, und am Ostersonntag schliesslich seine Auferstehung. Im Zusammenhang mit Ostern gilt besonders der Karfreitag als einer der höchsten Feiertage, da im christlichen Glauben an diesem Tag Jesus Christus als Sohn Gottes in seinem Tod am Kreuz freiwillig die Sünden und Schuld aller Menschen auf sich nahm und so ewiges Leben zuteil werden liess. In der frühen Kirche wurden die Leiden und die Auferstehung Jesu als zwei Seiten desselben Heilsereignisses verstanden und in einer einheitlichen Liturgie gefeiert, was sich dann aber im Mittelalter änderte. In dieser Zeit wurden die Leiden und die Auferstehung Jesu als zwei separate Heilsereignisse angesehen und dementsprechend begangen. Im 20. Jahrhundert fand schliesslich eine Wiederbesinnung auf den ursprünglichen Zusammenhang wie zur Zeit der frühen Kirche statt, und die römisch-katholische Kirche liess es ab 1951 in die Reform der Karwochenliturgie einfliessen, was im Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 bestätigt wurde. In katholisch geprägten Ländern wie Spanien und Italien sind die Feierlichkeiten während der heiligen Woche ein wichtiger Bestandteil der Tradition, mit grosser Anteilnahme der Bevölkerung. Zentrale Elemente dabei sind gerade Prozessionen und Passionsspiele, bei denen die Leiden Jesu nachgestellt werden. Berühmt sind die Prozessionen der Semana Santa unter anderem in Andalusien, dort besonders in Sevilla, aber auch in anderen spanischen Städten wie Malaga, Salamanca oder Valladolid. Dabei werden dort sogenannte pasos von Bruderschaften durch die Strassen getragen, die entweder eine Marienfigur oder eine Szene des Kreuzweges mit Jesusstatue zeigen. Zur Prozession gehören auch Büsser, die in jeweils charakteristischer Bekleidung, z.B. einer Spitzhaube, und meist barfuss oder mit Ketten mitlaufen. In Italien gibt es in der Settimana Santa ebenfalls unzählige Prozessionen und Passionsspiele, wo ganze Ortschaften zu den Feierlichkeiten auf die Strasse gehen. So gibt es etwa in Sorrent eine Kreuzwegsprozession mit lebenden Bildern, wo die Stationen des Kreuzwegs mit Menschen dargestellt werden – nicht als Passionsspiel, sondern als eine Art Gemälde. Eindrücklich sind wohl auch die Prozessionen auf Sizilien, wie etwa die Mysterienprozessionen von Caltanissetta oder die Karfreitagsprozession von Trapani. Eine etwas kuriosere Tradition wird in Greve in der Chianti-Region gefeiert. Dort wird von der Kirche aus eine weisse Kunststofftaube an einem Drahtseil über den Platz geschossen, wobei die anwesende Bevölkerung applaudiert und gespannt schaut, ob die Taube es zurück zum Kirchturm schafft. Auch in der Schweiz ist Ostern ein wichtiges Fest, wenn es auch etwas zurückhaltender und meist vor allem in der Familie gefeiert wird. Dabei spielen der Osterhase und das Osterei eine grosse Rolle, und dazu haben sich einige Traditionen entwickelt. So etwa versammeln sich am Ostersonntag in Bern Menschen auf dem Kornhausplatz zum Eiertütschen, wobei gerade die Kinder ihren Spass daran haben. In Zürich wiederum gibt es am Ostermontag den Brauch des Zwänzgerle, bei dem es darum geht, ein Zwanzigrappenstück in ein Stück Eierschale zu werfen. In Bischofzell TG wiederum werden die Brunnen zu Ostern feierlich geschmückt, während in Uster ZH ein Blaueierschwimmen für einen guten Zweck stattfindet. Und hier im Baselbiet ist die Eierläset eine grosse Tradition, bei der jedes Team Eier aufsammeln und in eine Spreuwanne werfen muss. Aber auch traditionelle Prozessionen gibt es, so etwa in Mendrisio TI, wo der Leidensweg Jesu dargestellt wird, oder in Romont FR, wo die Pleureuses, weinend durch die Strassen ziehen und den Tod Jesu betrauern. Wie aber der Osterhase und das Osterei zu Symbolen dieser Feiertage geworden sind, darüber ist man sich nicht einig. Gemein ist aber beiden, dass sie schon zu Zeiten der Antike als Symbole der Fruchtbarkeit angesehen wurden. Das Osterei geht wohl auf die frühen Christen zurück, welche die jüdische Tradition des an Pessach servierten weissen Eis übernahmen und in Erinnerung an die Kreuzigung Jesu rot einfärbten. Im Gegensatz dazu ist der Ursprung des Osterhasen unklar, auch wenn der Hase in der christlichen Kunst fest verankert ist. Eine erste schriftliche Nennung geht auf die Dissertation des Frankfurter Arztes Johannes Richier aus dem Jahr 1682 zurück, wo er vom Brauch etwa im Elsass und der Pfalz berichtet, wonach dort ein Oster-Hase die Eier lege und in Gärten im Gras, unter Büschen, oder an anderen Orten verstecke, um von den Kindern unter dem Gelächter der Erwachsenen gesucht zu werden. Auch heute werden immer noch Osternester versteckt und von Kindern eifrig gesucht, obwohl sich der Inhalt der Nester wohl in der Zwischenzeit verändert hat – gibt es heute doch oft Schokolade und kleine Geschenke. Wir wünschen Euch ein schönes Osterfest! |
Quellen:
Blick - Oster Map (Karte mit Schweizer Osterbräuchen)