Dieser Text wurde im Rahmen des Arbeitsintegrationsprogramms von Parterre Tangram von einer am Programm teilnehmenden Person recherchiert, verfasst und auf der Website publiziert.
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Nebst Feigen und Datteln sind Granatäpfel wohl eine der ältesten bekannten Früchte, eng verbunden mit der kulturellen Geschichte der Menschheit. Sie prägt aber auch die Küche des Mittelmeerraums und des Nahen Ostens, und findet sich deshalb auch auf der Speisekarte des Paseo. Wer schon einmal einen Granatapfel gekauft hat, der weiss vermutlich, wie aufwendig die Frucht sich schälen lässt, um an die leckeren, süss-herben Kerne zu kommen. Allerdings ist der Granatapfel keine Frucht im eigentlichen Sinne, sondern eine sogenannte Scheinfrucht, die sich aus den Kelchblättern, dem Blütenboden und den "weiblichen" Blütenorganen bildet. (Die Erdbeere ist eine ähnliche Scheinfrucht). Die Bezeichnung Balausta für die Fruchtform des Granatapfels kommt vom griechischen balaustion, übersetzt etwa "Blüte des wilden Granatbaumes". Der Granatapfel ist grundsätzlich kugelig geformt, die Färbung reicht von orange über rot bis hin zu gelblich-braun. Sie ist in etwa so gross wie eine Männerfaust, ca 5 bis 12 cm im Durchschnitt, kann aber auch 20cm erreichen. Dementsprechend ist das Gewicht der gesamten Frucht zwischen 150 bis 500g, wobei grosse Früchte auch bis 1'000g erreichen können. Ursprünglich kommt der Granatapfel aus der Region zwischen dem heutigen Iran und Nord-Indien, wird aber mindestens seit der Antike auch im Mittelmeerraum und dem Nahen Osten angebaut und kultiviert. Mit den spanischen Eroberern fand der Granatapfel schliesslich auch den Weg auf den amerikanischen Kontinent. Archäologische Funde, wie versteinerte Kerne oder Gefässe in der Form der Frucht, belegen, dass der Granatapfel bereits zur Bronzezeit verbreitet war – so z.B. im alten Ägypten, wo Kerne als Grabbeigaben hochrangiger Beamter des Pharao gefunden wurden. Im Mittelalter schliesslich findet der Granatapfel den Weg auch ins Europa nördlich der Alpen, wie schriftliche Belege aus Konstanz am Bodensee beweisen. Die Frucht lässt sich hier nur unter bestimmten Voraussetzungen kultivieren, weshalb sie zu dieser Zeit wohl den Reichen vorbehalten war. Der Granatapfel ist mindestens seit der Antike ein Symbol für Wohlstand und Fruchtbarkeit, und ist auch Gegenstand vieler Mythen und Legenden im alten Griechenland, die bekannteste Geschichte wohl jene von Persephone und Hades. Je nach Version wird Persephone von Hades gekidnappt und in seinem Reich festgehalten, oder sie verirrt sich dorthin und bleibt freiwillig. Ihre Mutter, Göttin Demeter, will sie jedoch zurück, woraufhin Zeus das erlaubt unter der Voraussetzung, dass Persephone noch nichts zu sich genommen habe. Da sie jedoch bereits einige Kerne des Granatapfels im Mund hatte, kommt sie nur halb frei und muss jeweils soviele Monate des Jahres bei Hades bleiben wie sie Kerne geschluckt hatte. Auch im jüdischen wie christlichen Glauben findet sich der Granatapfel, von Nennungen in der Bibel bzw. des Tanach als eine der Sieben Früchte aus dem Gelobten Land (nebst der Feige), hin zu Ritualen und Darstellungen. So werden etwa beim jüdischen Fest Rosh Hashana Granatapfelkerne gegessen als Symbol von Fruchtbarkeit und Fülle, respektive Wohlstand. Im europäischen Christentum ist der Granatapfel ein wiederkehrendes Symbol in Darstellungen von Jesus und anderen religiösen Motiven, wie etwa Gemälden von Botticelli und da Vinci. Dabei wird der Granatapfel oft als aufgebrochen dargestellt, ein Symbol für den Umfang der Leiden Jesu und seiner Wiederauferstehung. In der Küche sind Kerne wie Saft des Granatapfels in Gebrauch, wo sie mit ihrem süssen, manchmal leicht sauren Geschmack viele Gerichte ergänzen. Ganz besonders beliebt ist der Granatapfel in der Küche des Nahen Ostens, wo er Bestandteil vieler Gerichte ist – etwa einer Suppe, oder auch in getrockneter Form als Gewürz. In Griechenland wird aus dem Saft sogar eine Art Likör destilliert. Daneben ist der Granatapfel auch für medizinische Zwecke interessant, da einige Inhaltsstoffe als wirksam bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Arthritis erwiesen haben. Auch die Krebsforschung hat den Granatapfel für sich entdeckt, wobei hier die Untersuchungen erst am Anfang stehen. Auf jeden Fall ist der Granatapfel eine Alternative zu Orangen, da die Frucht eine wahre Vitamin-C-Bombe ist. Oder einfach mal eine leckere Ergänzung zu einem Gericht. |