Dieser Text wurde im Rahmen des Arbeitsintegrationsprogramms von Parterre Tangram von einer am Programm teilnehmenden Person recherchiert, verfasst und auf der Website publiziert.
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Kaum eine Frucht hat die Menschheitsgeschichte so geprägt in Europa wie die Feige. Durch die Jahrhunderte hat sie die Kultur geprägt, aber auch die Küche des Mittelmeerraums. Sei es als frische Frucht oder getrocknet in Rollenform für den einfacheren Transport, sie ist vielseitig einsetzbar. Die heute nachweislich ältesten Funde von Feigen datieren auf ca. Das 10. Jahrhundert v.Chr., gefunden im Jordantal in der Nähe von Jericho. Diese Funde sind damit älter als andere gefundene Formen des Ackerbaus, wie etwa domestizierter Weizen, Gerste oder sogar Gemüse. Diese Feigen waren gezielt angebaut worden, und damit stellen sie einen weiteren Hinweis auf die Sesshaftwerdung des Menschen dar. Man vermutet, dass die Wildform der Feige ursprünglich am Kaspischen Meer beheimatet gewesen sein könnte, allerdings haben genetische Untersuchungen ergeben, dass die Feige wohl im gesamten Mittelmeerraum heimisch war. Dabei hat wohl auch die Verwilderung bereits domestizierter Bäume wohl ebenfalls dazu beigetragen. Belegt ist, dass die Feige bereits in der Antike ein verbreitetes Nahrungsmittel war und gezielt kultiviert wurde – so etwa finden sich Schriften von Aristoteles zur Kultivierung der Pflanze im antiken Griechenland, und der römische Autor Cato der Ältere beschreibt in seinen Schriften mehrere Sorten, die in seiner Zeit angebaut und zur Tiermast benutzt wurden. Die alten Griechen sprachen der Feige auch aphrodisierende Eigenschaften zu, und verbanden sie damit auch durchaus mit Fruchtbarkeit. Es ist daher kein Zufall, dass die Frucht Dionysos geweiht war und auch dementsprechend bei seinen Feierlichkeiten zum Einsatz kam. Selbst in der Bibel nimmt die Feige eine prominente Stellung ein, ist sie doch die erste namentlich erwähnte Frucht, und auch die am häufigsten erwähnte – ganze 34 Mal im Vergleich zum Apfel, der nur 4 Mal erwähnt wird. Sie wird in der Bibel auch als eine der Sieben Früchte erwähnt, welche die Fruchtbarkeit des Landes Kanaan beschreiben, eine der sieben einheimischen Pflanzen, die über das Jahr verteilt die Bewohner mit Nahrung versorgen. Ein interessanter Aspekt in der Kultivierung der Feige ist deren Bestäubung, die von mehreren Faktoren abhängt. Die Feige ist abhängig von der Feigengallwespe als Bestäuber, da sie als einziges Insekt durch die Blütenöffnung passt. Daneben sind nur die weibliche Blüten der Ess-Feige bestäubbar, sie kann sich also nicht wie andere Pflanzen selber bestäuben. Im Gegenzug bildet die Bocks-Feige (eine ungeniessbare Variante der Essfeige) zwar weibliche wie männliche Blüten aus, doch die weiblichen sind nicht fruchtbar. Für eine erfolgreiche Bestäubung braucht es also beide Varianten. Allerdings wurden inzwischen auch Feigenarten gezüchtet, die sich selber bestäuben können, um die Frucht auch in Gebieten anzupflanzen, wo die Feigengallwespe nicht vorkommt. Die Feige an sich kann auf verschieden Arten verzehrt und zubereitet werden – man kann sich z.B. frisch einem Salat hinzufügen, oder in getrockneter Form zu Konfitüre verarbeiten, um nur zwei Beispiele zu nennen. Da sie in frischer Form nur schwer zu transportieren und zu lagern ist, wird die Feige meistens getrocknet und zu Rollen gepresst, was sie haltbar macht. Eine Spezialität ist der Feigenkäse, wie er in Spanien und Portugal gegessen wird. Auf dass es im Sommer wieder feine, schmackhafte Feigen geben wird! |